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Die Akustik war schon immer eine besondere Sparte der Physik. Nicht nur, daß akustische Signale die unterschiedlichsten Bereiche des Menschen anregen, angefangen von der reinen Kommunikation bis hin zu kulturellen Gebieten, wie der Musik. Die Erklärung der Phänomene der Akustik liegt ja nicht nur in der Komplexheit der wissenschaftlichen Beschreibung der physikalischen Gesetzmäßigkeiten, sondern auch in den psychoakustischen Gegebenheiten des Gehörs. Die Erfassung akustischer Ereignisse ist physikalisch erst seit den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts möglich und die mathematische Beschreibung der akustischen Vorgänge ist erst durch moderne Computer umfassend möglich geworden.

Aber selbst die Parameter, die einen Klang definieren, sind heute nicht eindeutig beschreibbar. Wir sehen dies daran, daß es nach wie vor unmöglich ist, den Klang einer Stradivari zu bestimmen. Diese Unvollkommenheit spiegelt sich auch in der Behandlung des Schwerhörigen wieder. Keiner anderen Behinderung des Menschen wird so verständnislos begegnet wie der Schwerhörigkeit, ein Blindenwitz würde Empörung auslösen, Schwerhörigenwitze sind an der Tagesordnung.

Aus diesem Grunde stellt die technische Rehabilitation der Hörstörungen eine besondere Herausforderung dar. Aber die Schwierigkeit liegt ja nicht darin, den Mangel des Gehörs zu kompensieren, sondern darin, ein Optimum an Informationen in eine verringerte Resthörfläche zu projezieren. Das ganze Spektrum der akustischen Ereignisse muß definiert reduziert werden, um ein Maximum an Informationen zu übertragen. Dieser Vorgang, nämlich die Anpassung einer Hörhilfe, wird durch die Möglichkeiten der Technik und den individuellen Anpaßvorgang durch den Akustiker realisiert.

Die Entwicklung der Hörgeräte und deren Anpassung war immer verbunden mit den Möglichkeiten der Audiometrie und dem jeweiligen technologischen Standard der Mikroelektronik.

 


Am Anfang standen passive Hörhilfen, also Hörrohre, deren Übertragungseigenschaften nicht dem Hörfehler angeglichen werden konnten. Diese Hörhilfen hatten nicht nur eine begrenzte Verstärkung, es bestand auch keine Möglichkeit die akustischen Kenndaten zu variieren, um den Hörfehler zu kompensieren. Durch die notwendige Größe der Hörrohre wurde der Träger zudem stigmatisiert, sein Leiden wurde sichtbar und dies in einer Zeit, in der Schwerhörigkeit häufig mit mangelnder Auffassungsgabe verwechselt wurde.


Die Erfindung des Telefons war dann auch der Beginn der aktiven Hörhilfen. Über ein Kohlemikrophon konnte ein Strom mit dem zu verstärkenden Signal moduliert werden und dann in einem elektromagnetischen Hörer in ein akustisches Signal zurückverwandelt werden. Bei diesen ersten elektrischen Hörhilfen, sie wurden auch Telefonie- Hörgeräte genannt, war zumindest die Verstärkung veränderbar, so daß hier schon eine begrenzte Anpassung an den Hörfehler möglich war.

 


Die Elektronenröhre ermöglichte dann in Verbindung mit ersten elektrodynamischen Hörern den Bau von Reintonaudiometern für die Praxis des HNO- Arztes. Damit konnte nun Art und Grad der Hörstörung gemessen werden. In diese Zeit fallen erste Bemühungen, das Hörgerät an die akustischen Kenndaten des Ohres anzupassen. Die Entwicklung kleiner Miniaturröhren und kleiner elektromagnetischer Hörer ließen schließlich den Bau der ersten Taschengeräte zu. Modetrends wie die „Ari Onassis Brille", inspirierten dann zum Bau der ersten Hörbrillen. Diese Hörbrille war mit Miniaturröhren bestückt und genügte dank dem Trend der Zeit voll den kosmetischen Ansprüchen des Trägers.


Die Erfindung des Transistors und des Magnetbandes brachte dann den nächsten Innovationsschub. Es konnten die ersten Hörgeräte gebaut werden, die hinter dem Ohr getragen werden konnten. Zugleich bot das Tonbandgerät die Möglichkeit, die Sprache beliebig reproduzierbar und definiert zu übertragen und somit zu einem Messmittel zu machen. Es entwickelte sich die Sprachaudiometrie und noch heute sind damals entwickelte Sprachtests voll im Einsatz. Damit war die Grundlage zur Dynamikanpassung gegeben.


Das Problem jeder Anpassung eines Hörgerätes ist es ja, daß bei dem Hörgeschädigten nicht nur die Hörschwelle verschoben wird, sondern auch der Abstand zur Unbehaglichkeit und mithin die Restdynamik verringert werden. Dies ist das ganz große Problem der Hörgeräteanpassung: es muss nicht nur die Verstärkung in den einzelnen Frequenzbereichen unterschiedlich eingestellt, sondern auch die Dynamik frequenzselektiv angeglichen werden. Ein noch so hochwertiges HiFi- Gerät braucht nur eines zu tun, Signale möglichst linear zu verstärken. Ein Hörgerät indes muss nicht nur einen der Hörschädigung individuell angepassten Frequenzgang aufweisen, sondern es muss die Dynamik des Signals der Hörstörung angleichen. Ein Vergleich mit einer Stereoanlage oder einem Walkman ist daher nicht zulässig. Zudem muss das Hörgerät Schalldrücke produzieren, wo die meisten Lautsprecher versagen würden und dies bei extremen Arbeitsbedingungen. Der Schweiß, eine besonders aggressive chemische Substanz, würde jede normale Elektronik in kürzester Zeit ruinieren, ein Hörgerät soll aber im Mittel 6 Jahre definierte akustische Eigenschaften aufweisen und das bei einer täglichen Betriebsdauer von meist mehr als 10 Stunden. Erst der Transistor und moderne Bauelemente, deren Eigenschaften durch die Raumfahrttechnick geprägt sind, haben diese Leistungen ermöglicht.

Die Mikroelektronik und aufwendige computergesteuerte Fertigungstechniken haben die Hörgeräte immer vielseitiger und variabler in den akustischen Kenndaten gemacht. Diese Varibiltät setzt aber diffizile Anpasstechniken voraus, denn jeder Hörschaden ist individuell, die Tragesituation ist bei jedem Hörgeschädigten anders, und die Ankopplung des Hörgerätes an das Trommelfell ist von anatomischen Eigenarten geprägt. Daher ist der jetzige Standard der Hörgeräteversorgung von zwei Fakten geprägt. Die Industrie fertigt mit hoher Variabilität und Qualität, die sonst nur in der Raumfahrttechnik üblich ist, und der Akustiker muss diese Geräte dem individuellen Hörschaden anpassen. Damit ist ein hoher Qualitätsstandard gesichert und den individuellen Gegebenheiten des Hörgeschädigten wird optimal Rechnung getragen.

Der Einzug des Computers hat natürlich auch die Ansprüche der Hörgeräteakustik höher geschraubt. Die bisherige diagnostische Audiometrie genügt nicht mehr für die Hörgeräteanpassung. Die Schallsignale werden mittels Sondenmikrofone direkt am Trommelfell durch den Computer analysiert. Die Versorgung der Restdynamik wird mit speziellen psychoakustischen Messmethoden optmiert.

Die Übertragung des Signals vom Hörgerät zum Trommelfell kann durch vielseitige, vom Akustiker individuell nach anatomischen und akustischen Anforderungen gefertigten Otoplastiken optimiert werden. Medizinische Gesichtspunkte werden durch die Auswahl unterschiedlichster Kunststoffe und Fertigungsverfahren berücksichtigt.


Der Computer hat nun natürlich auch seinen Einzug in das Hörgerät vollzogen. Die rasante Entwicklung hat es möglich gemacht, dass leistungsstarke digitale Signalprozessoren die Signalverarbeitung des Hörgerätes steuern oder aber selbst durchführen. Alle bekannten Parameter der Signalverarbeitung für das pathologische Gehör können jetzt genutzt werden. Die Programmierung der akustischen Parameter kann natürlich nur mittels Computer erfolgen. Vernetzte Anpasssysteme erlauben eine individuelle Optimierung der einzelnen Parameter.

Die Grenzen moderner Hörgeräte werden nicht mehr durch Technologien gesetzt, diese Grenzen liegen heute nur noch in der Leistungsfähigkeit der Audiologen und den Ingenieuren und Physikern, die diese Hörsysteme programmieren. Je komplexer die Technologien moderner Hörsysteme werden, desto wichtiger ist aber das Qualitätsmanagement

Hier setzt die Aufgabe des Deutschen Hörgeräte Instituts ein. Hörgeräte sind entsprechend einer EG - Richtlinie besonders beachtete Hilfsmittel und unterstehen einer besonderen Kontrolle, damit keine Gefahren für das pathologische Gehör durch das Hörgerät entstehen. Das DHI ist ein akkreditiertes Messlabor, das rechtsrelevante Messungen an Hörgeräten durchführen darf. Alle Hörgeräte müssen in einer Bauartprüfung bestimmte, in international anerkannten Normen festgelegten Bestimmungen, akustischen Eigenschaften nachweisen. Ständige Kontrollmessungen der am Markt befindlichen Geräte sichern einen ständigen Qualitätsstandard. In unserem Institut werden aber auch Messverfahren entwickelt, die dem komplexen Verhalten moderner Hörgeräte gerecht werden. Somit trägt das DHI dazu bei, die Qualtät der Hörgeräte auf einem hohen Stand zu halten.

Schauen Sie sich auf unseren Seiten einmal um und entdecken Sie die komplexen Vorgänge bei Hörgeräten.