Vortrag: Strategie für die Anpassung digitaler Hörsysteme
               


1. Frequenzgangveränderungen

Bei der klassischen Anpassung wird ja zunächst eine Voreinstellung des Hörgerätes entsprechend einer Anpassregel vorgenommen und dann die Eigenschaften des Gerätes durch eine Feinanpassung optimiert.

Als Anpassregeln kommen Verfahren zur Anwendung die unterschiedliche Ansätze haben.

 

Frühe Anpassregeln orientierten sich an der Hörschwelle und sagten den frequenzabhängigen Verstärkungsverlauf anhand der im Tonaudiogramm gemessenen Hörschwelle aufgrund statistischer Erfahrungen voraus. Bei diesen Regeln spielte die frequenzabhängige Dynamik des Gerätes keine Rolle. Auch wurde die Unbehaglichkeitsgrenze nicht für den benötigten Verstärkungsbedarf berücksichtigt.

Diese Anpassregeln sind aufgrund des Fehlens von Elementen der Dynamikanpassung heute nur beschränkt einsatzfähig.

 

Mit dem Fortschritt der Entwicklung von Hörgeräten, insbesondere mit dem Aufkommen komplexer AGCi Geräte, wurden neue Verfahren entwickelt, bei denen der frequenzabhängige Verstärkungsbedarf durch Hörschwelle und durch die Unbehaglichkeitsgrenze bestimmt wurden. Somit wurde das gesamte Resthörfeld in die Anpassung einbezogen. Aus diesem Grunde eignen sich diese Verfahren für die Einstellung mehrkanalige AGCi Geräte, sogenannte "nichtlineare" Hörgeräte, besonders gut, denn sie berücksichtigen die Möglichkeiten dieser Geräte.

 

Bekanntermaßen stellen sensorineurale Hörschädigungen den größten Teil aller Arten der Hörschädigung. Somit sind rein lineare Versorgungsfälle die absolute Ausnahme. Alle Empfindungshörschädigungen sind aber dadurch gekennzeichnet, dass sich die Isophonen gleicher Lautheitsempfindung (ISO 226) frequenzabhängig wie im rechten Teil der Abbildung verschieben. Die unterste Isophone stellt hier die Hörschwelle dar, die oberste die Unbehaglichkeitsgrenze. Deutlich ist zu erkennen, dass sich die Hörschwelle zu höheren Frequenzen stärker nach oben verschiebt, die Töne mit hohen Frequenzen werden früher geschädigt als die Töne tiefer Frequenzen. Die Unbehaglichkeitsgrenze verschiebt sich nach unten. Die Konsequenz ist es, dass die Dynamik des Hörgeschädigten sich zu hohen Frequenzen verringert.

Die Konsequenz für die Anforderung an Hörgeräte ist es daher, dass eine frequenz- und eingangspegelabhängige Dynamikregelung vorhanden sein muss. Diese Anforderungen erfüllen nur die "nichtlinearen" Hörgeräte.

 

Wenn aber frequenz- und pegelabhängige Verstärkungen gefordert sind, kann eine reine Frequenzanpassung die Möglichkeiten nichtlinearer Hörgeräte nicht mehr berücksichtigen. Auch die Abfolge der Anpassung, erst den Frequenzgang für einen bestimmten Eingangspegel zu optimieren und anschließend die Parameter der AGCi zu bestimmen, kann nicht sinnvoll sein.

Somit ist die kombinierte Frequenz- und Dynamikanpassung die beste Lösung die komplexen Möglichkeiten komplexer Geräte zu nutzen.