Vortrag: praxisorientiertes Messverfahren
               


Ein praxisorientiertes Messverfahren für nichtlineare Hörgeräte

Die derzeitig normierten Messverfahren orientieren sich an der IEC 118, einer Norm für ausschließlich lineare Hörgeräte. Die Messungen werden nur im stationären Zustand durchgeführt. Als Messsignal ist der Sinuston vorgesehen, ein Ton der ein unendlich kleines Spektrum besitzt, zeitliche Vorgänge werden in der Norm nicht erfasst.

Die Eigenschaften moderner Hörgeräte mit einer komplexen Signalverarbeitung lassen sich mit diesem Messignal und Messverfahren nicht oder nur ungenügend erfassen. Somit ist eine optimale kontrollierte Einstellung der Geräte nicht mehr möglich.

Messsysteme, die nach dieser Norm arbeiten, können daher nur die RTG (Reference Test Gain) und die FOG (Full On Gain) von komplexen Hörgeräten messen. Dies ist für die Funktionskontrolle von Hörgeräten zwar sehr praktisch, aber es ist nur eine Nebenaufgabe der Arbeit des Hörgeräteakustikers. Eine gezielte Einstellung zur Anpassung des Hörgerätes ist mit diesen Messungen meist nicht mehr möglich.

Die Einstellung des Hörgerätes folgte bisher klaren Regeln: es wurde die Frequenzanpassung durchgeführt der die Dynamikanpassung folgte. Für die Frequenzanpassung wurden Sinustöne verwendet. Dies war auch zulässig, da die Hörgeräte ein lineares Übertragungsverhalten hatten. Die Dynamikanpassung wurde mit einem sprachsimulierenden Rauschen durchgeführt. Damit wurde das statische Kompressionsverhalten ermittelt.

Bei modernen komplexen Hörgeräten ist diese Systematik nicht mehr einzuhalten. Komplexe digitale Hörgeräte haben grundsätzlich ein nichtlineares Verhalten und dies im Dynamik- als auch Frequenzbereich. An dem Beispiel der BILL (Basses increases with low levels) wird dies deutlich. Mit zuhnemendem Eingangspegel sinkt die Verstärkung im unteren Frequenzbereich. Dieses Verhalten wird durch ein Regelsystem bewirkt, dass in jedem Fall ein zeitliches Verhalten hat. Diese zeitlichen Vorgänge werden bei den bisherigen normgemäßen Messungen nicht mehr berücksichtigt.

Somit ist es notwendig bei der Einstellung zur Anpassung beide Verfahren zu kombinieren. Durch komplexe Signale, die ein breites Frequenzband und eine ausgeprägte Zeitstruktur besitzen ist dies möglich.

Das nichtlineare Verhalten der Geräte wird durch die Dynamikkennlinie beschrieben. In der bisherigen Darstellung wird davon ausgegangen, dass die Änderungsgeschwindigkeit des Eingangspegels vernachlässigbar klein gegenüber der Regelgeschwindigkeit des Hörgerätes ist. Mit diesem Verfahren wird daher ausschliesslich das statische Verhalten des Gerätes beschrieben. Die Sprache ist aber ein hochgradig dynamisches Signal. Somit wird bei der Anpassung die reale Situation nicht berücksichtigt.