Kontrolle der Leistungsfähigkeit eines
Hörgerätes mittels RTG und FOG

           


Digitale Hörgeräte verwenden heutzutage komplexe Übertragungsalgorithmen. Dies ist auch notwendig um alle Schwerhörigkeiten zu versorgen, denen keine Schallleitungsschwerhörigkeit zugrunde liegt.

 

Das linke Diagramm zeigt die Isophone gleicher Lautheitsempfindung gemäß der ISO 226. Die unterste Line ist die 0 Phon Isophone und gilt als normale Hörschwelle. Die darüber liegenden Linen zeigen die Linen zeigen die Isophone für jeweils 10 Phon höhere Hörempfindungen. Das rechte Diagramm zeigt die Veränderungen dieser Isophone bei einer typischen Presbyakusis, auch unter dem Begriff "Altersschwerhörigkeit" (Wobei nicht das Alter die Ursache der Hörstörung ist, sondern die Dauer der Lärmexposition) bekannt. Diese beiden Diagramme zeigen deutlich, dass Hörschwelle, Dynamikbreite und Unbehaglichkeitsschwelle sich frequenzabhängig verändert haben. Demzufolge muss das Hörgerät eine frequenzabhängige Verstärkung, Dynamikbreite und Ausgangsbegrenzung haben damit der Hörgeschädigte ein Lautheitsempfinden wie der normal Hörende hat. Bei analogen Geräten waren Diese Eigenschaften nicht realisierbar. Bei digitalen Hörgeräten ist dies aber möglich. Diese Eigenschaften werden durch komplexe Regelsysteme realisiert.

Derzeit existieren aber keine einheitlichen Messverfahren für komplexe Regelschaltungen. Hinzu kommt, dass sprachsensitive Algorithmen und Feedback- Manager die Messungen digitaler Hörgeräte erschweren. Damit wird die Kontrolle der Leistungsfähigkeit digitaler Hörgeräte kompliziert.Hörgeräte sind aber mechanischen, chemischen und thermischen Belastungen ausgesetzt. Sie können daher in der täglichen Praxis ihre Leistungsfähigkeit einbüßen. Vor allem die Schallwandler werden durch die täglichen Belastungen beeinträchtigt. Deshalb sind Hörgerätekontrollen notwendig. Die Messung in der Kundeneinstellung ist aber unrealistisch, da für sprachsensitive Algorithmen und Feedback-Manager keine allgemeingültigen Messverfahren zur Verfügung stehen.

Aus diesem Grunde hat es sich bei etlichen Herstellern eingebürgert, definierte Testeinstellungen in die Hörprogramme zu integrieren. Diese Testeinstellungen sind die FOG und RTG ,normgemäß bekannt unter den Bezeichnungen Vmax und Vnaw. Diese Testeinstellungen sind lineare Einstellungen bei denen alle Messungen gemäß der Normenreihe 118-n möglich sind. Damit ist dann eine einfache, sichere und genaue Überprüfung der Leistungsfähigkeit des Hörgerätes in der Messbox sichergestellt. Eine Überprüfung der Funktionselemente wie AGCi, MPO u.s.w. ist nicht notwendig, da diese Eigenschaften ausschließlich durch das Programm des DSP realisiert werden. Ein DSP funktioniert aber immer 100% oder er geht insgesamt nicht. Wenn die Testeinstellungen korrekte Werte ergeben, muss das Gerät in der Kundeneinstellung auch korrekt funktionieren.

Aus diesem Grunde sind diese Testeinstellungen für die laufende Qualitätskontrolle über die Tragedauer des Gerätes unverzichtbar.

Diese beiden Testeinstellungen haben den Vorteil, dass sie über das Herstellermodul unter NOAH einfach aufgerufen werden können ohne dass sich die Kundeneinstellungen verändern. Beim Verlassen des Testmodus geht das Hörgerät in den alten Zustand zurück.Vorbildliche Testmodi weisen folgende Eigenschaften auf :

       Beim Aufruf des Testmodus erfolgt eine Warnung, dass das Gerät in dieser
                 Einstellung nur in der Messbox gemessen werden darf.

       Es stehen sowohl die RTG als auch die FOG zur Verfügung.

       Auf dem Desktop wird die Kurve bei der RTG mit einem Eingangspegel
                  von 60dB angezeigt. Diese Kurve soll mit der RTG Kurve des Datenkataloges
                  der Bauartprüfung übereinstimmen.

       Bei der FOG wird die Wiedergabe bei einem Eingangspegel von 60dB und
                 90dB angezeigt, da die OSPL90 die sicherste Messung an Hörgeräten ist.
                 Die OSPL90 Kurve in der FOG soll mit der OSPL90 Kurve des Datenkataloges
                 der Bauartprüfung übereinstimmen.

Ablauf der Überprüfung des Hörgerätes

1. Messung des OSPL90

Diese Messung ist immer die sicherste und genaueste Messung an Hörgeräten, da der Eingangspegel nur einen minimalen, meist keinen, Einfluss auf das Messergebnis hat. Da Messreihen immer mit der sichersten Messung begonnen werden, wird mit dieser Messung gestartet. Die Wiedergabekurve des OSPL90 wird immer in der maximale Verstärkungseinstellung durchgeführt, also in der FOG. Entscheidend sind die Werte zwischen 500Hz - 3000Hz. Hier ist die Messung am sichersten und genauesten. Abweichungen von +- 3dB können akzeptiert werden.

2. Messung der RTG (Vnaw)

Die RTG ist die gute alte Vnaw. Bei digitalen Geräten werden die Regeln zur Einstellung der Bezugsprüfeinstellung jedoch nur selten eingehalten. Dies ist keine böse Absicht, es geht meistens auch nicht genau, da die Verstärkungsschritte meist zu grob sind. Eine feinere Aufteilung ist aber audiologisch nicht sinnvoll. Die Norm verlangt auch nicht, dass diese Regel eingehalten wird, sondern empfiehlt es nur. Eines ist nur wichtig, es muss im linearen Bereich mit ausreichendem Abstand zum Sättigungsbereich (min. 7dB) gemessen werden.

3. Welche Toleranzen sollten eingehalten werden ?

 

 

Die Genauigkeiten der Messboxen liegen in der Praxis bei den Werten des obigen Diagramms. Zu diesen Abweichungen kommen natürlich noch die zulässigen Fertigungstoleranzen des Hörgerätes. Bei den digitalen Hörgeräten sind die Fertigungstoleranzen häufig vernachlässigbar, da durch den DSP keine Fehler in den akustischen Kenndaten möglich sind und somit nur die Fertigungstoleranzen der Schallwandler Abweichungen verursachen können.

Beim Auftreten größerer Abweichungen ist die Messbox zu überprüfen.